„Der Handel kann mit nachhaltigen Maßnahmen beim Kunden punkten“

„Fokus Handel“ zu sozialer und ökologischer Verantwortung

Immer mehr Menschen wollen beim Einkauf einen sozialen und ökologischen Beitrag leisten, indem sie unter anderem Verpackungsmüll vermeiden, fair gehandelte Ware bevorzugen oder langlebigere Güter erwerben. Der Einzelhändler kann dieses Konsumentenverhalten gezielt unterstützen und davon selbst profitieren. Das haben Dr. Carolin Tewes von der Universität Münster und Nikola Rosenbaum vom Fahrradfachgeschäft Drahtesel bei der Veranstaltung Fokus Handel der Wirtschaftsförderung Münster betont.

„Der Einzelhandel steht zwischen Lieferkette und Verbraucher. Er kann auf den nachhaltigen Konsum direkt Einfluss nehmen“, erklärte WFM-Kundenberaterin Dr. Christina Willerding. Neben dem sozialen und ökologischen Nutzen stärke das Umdenken der Firmen die Wettbewerbsfähigkeit. „Einzelhandel muss sich permanent verändern, wenn er innovativ und wettbewerbsfähig bleiben will. Umsatzsteigerung und Kostenreduktion können die Folge sein.“
Dr. Carolin Tewes, Geschäftsführerin der Forschungsstelle für allgemeine und textile Marktwirtschaft der Uni, präsentierte die neuesten Erkenntnisse in der Nachhaltigkeits¬diskussion. Im Vortrag stellte sie auch Maßnahmen zur Ressourcenschonung vor und nannte die ISO 26000 als eine Art Leitfaden für nachhaltige Unternehmen. „Nachhaltigkeit ist die Übernahme von sozialer, ökologischer und ökonomischer Verantwortung im Zusammenhang mit dem Kerngeschäft.“ Dann sei das Engagement auch glaubwürdig, baue beim Kunden und Geschäftspartnern Vertrauen auf und stärke das Image. Gegebenenfalls könne ein Unternehmen sogar ein Alleinstellungsmerkmal schaffen und neue Märkte erschließen.
Nach Nikola Rosenbaums Worten, leitende Mitarbeiterin des Fahrradfachgeschäfts Drahtesel, wird Nachhaltigkeit nicht nur gelebt, sondern mit Kunden diskutiert. Das Fahrrad habe an sich schon einen hohen nachhaltigen Wert. Darüber hinaus spielten weitere Aspekte in das Thema hinein: Woher bezieht Drahtesel Produkte, gibt es Ersatzteile, kann man auch leihen statt kaufen? Kunden überzeugen, ist die Aufgabe, sagte sie angesichts der sozialen und ökologischen Verantwortung des Betriebs. „Wenn jemand bei uns das Rad zur Reparatur abliefert, stellen wir ein Leihrad zur Verfügung. Denn wir bestärken den Kunden in seiner Haltung.“ Vor dem Hintergrund der Materialeffizienz verfüge Drahtesel auch über eine Vielzahl von Ersatzteilen, die verhindern, dass der Kunde Produkte gänzlich neu kaufen muss. Drahtesel arbeite überwiegend mit deutschen Herstellern zusammen, die den nachhaltigen Charakter ihres Handelns betonen. „Wir schauen uns die Geschäftspartner genau an, lernen Mitarbeiter kennen und sprechen über Verbesserungen: Zum Beispiel weniger Plastik in Verpackungen einsetzen.“
Das Unternehmen fördert auch den Verkauf von Schläuchen, die beim Hersteller energieeffizient recycelt werden. Oder: „Wir legen dem Kunden die Artikel an der Kasse nur noch hin. Fragt er aktiv nach einer Tüte, haben wir Alternativangebote.“
Rosenbaums Appell an Händler: „Jeder kann noch mehr Verantwortung übernehmen. Wir können zu Nachhaltigkeit aufklären und Kunden mit Maßnahmen und Informationen begeistern.“