Dem Biofidel-Dummy gehört in der Unfallrekonstruktion die Zukunft

Business Breakfast bei crashtest-service

Die crashtest-service.com GmbH (cts) lässt es im Schnitt zweimal täglich krachen: Die Unfallrekonstruktionen und Norm-Crashtests für Fahrzeugrückhaltesysteme auf dem 30.000 Quadratmeter großen Areal haben vor allem für staatliche Stellen, Versicherungen, Verbraucherschützer und Autohersteller einen hohen Nutzen. „Sie stellen die belastbarste und anschaulichste Methode zur Bewertung eines Vorgangs dar“, erklärte Geschäftsführer Peter Schimmelpfennig beim Business Breakfast der Wirtschaftsförderung Münster GmbH (WFM). In diesem Rahmen präsentierte er den so genannten Biofidel-Dummy als neueste Errungenschaft seines Unternehmens.

Dummys sind in der modernen Unfallrekonstruktion unumgänglich. Um ein möglichst realitätsgetreues Ergebnis bei einem Crashversuch zu erzielen, hat crashtest-service mit dem Unfallgutachter Dr. M. Weyde, der HTW Dresden und der TU Berlin den so genannten Biofidel-Dummy entwickelt. „Zahlreiche Studien und Veröffentlichungen verdeutlichen, dass der neue Biofidel-Dummy aufgrund seiner Bewegungs- und Materialeigenschaften zu signifikant anderen Beschädigungen führt als bisher in der Unfallrekonstruktion eingesetzte Dummys“, erklärte Schimmelpfennig. „Biofidel heißt menschenähnlich in Bezug auf das Bewegungs- und Deformationsverhalten.“
Für die Fertigung und Unfallanalyse hat crashtest-service ein Dummy-Labor eingerichtet. Hier überzeugten sich die zirka 130 Gäste davon, was die mit dem Standard-Dummy überhaupt nicht vergleichbare Biofidel-Dummy-Innovation auszeichnet. Weltweit einzigartig ist zum Beispiel, dass die aus einem Aluminium-Harz-Pulver-Gemisch hergestellten Knochen ähnliche Eigenschaften haben wie die des Menschen. „Wir können jede Person hinsichtlich ihrer Größe und Körpermaße nachbilden, was bei Standard-Dummys unmöglich ist. Nach dem Crash untersuchen wir auf dem Seziertisch, welche Knochen gebrochen oder welche Bänder gerissen sind. Dieser Dummy lässt sich als erster auf der Welt auch röntgen. Mediziner können im Nachhinein die realen Verletzungen des Menschen nach einem Unfall mit diesem Dummy abgleichen.“
Schimmelpfennig präsentierte Filme, in denen der Biofidel-Dummy ein anderes Flugverhalten nach dem Aufprall an den Tag legte als ein herkömmliches Model. „Man muss aufgrund der neuen Ergebnisse sagen, dass viele Autofahrer in der Vergangenheit bei Gerichtsurteilen zu gut weggekommen sind. Nach unseren neuesten Crashtest-Erkenntnissen mit dem Biofidel-Dummy gehen wir davon aus, dass in der Vergangenheit die Geschwindigkeit von Autos nach der Unfallrekonstruktion als zu langsam eingeschätzt wurde. Mit einem Biofidel-Dummy hätte sie 20 Prozent darüber gelegen“, so Schimmelpfennig.
In Zukunft dürfte sich die Beurteilung bei Gericht ändern, da eine Normänderung abzusehen ist. Demnach sollen bei der Unfallrekonstruktion nur noch Biofidel-Dummys eingesetzt werden. „Und da es weltweit nur ein Modell gibt, freuen wir uns auf die nächsten Jahre“, sagte der crashtest-service-Geschäftsführer mit Blick auf das Wertschöpfungspotenzial.