„Neuland“ nach 88 Jahren: Frede baut eigenes Backhaus mit Bistro

Traditionsbäcker verlässt Hiltrup/Investition in Eigentum

Ende 2018 wird Bäckermeister Andreas Frede an der Westfalenstraße in Hiltrup die letzten Brötchen backen und den Betrieb in Wolbeck an der Münsterstraße neu aufstellen. Am Kreisverkehr beim Classical Service Center eröffnet das in 3. Generation geführte Traditionsunternehmen eine hochmoderne Backstube mit angegliedertem Verkauf und Bistro, das ein Novum in der 88-jährigen Firmengeschichte darstellt. Frede beschäftigt zirka 20 Mitarbeiter und schafft sechs neue Stellen. „Ich wollte nie selbst bauen. Doch dann fängst du an zu rechnen und alles entwickelt sich zu einem perfekten Gesamtpaket.“

Drei Ordner füllt das Bauprojekt, für das die Erdarbeiten auf dem von der Wirtschaftsförderung Münster GmbH (WFM) bezogenen Grundstück inzwischen begonnen haben. Beim Anblick der Pläne, die über den langen Tisch in der Backstube ausgebreitet liegen, kommt Frede ins Schwärmen. „Das ist die Zukunft“ und nichts im Vergleich zu jenen 45 Quadratmetern an der Hamburger Straße, wo die Bäckerei Frede seit Gründung 1930 bis 1999 zuhause war, und auch nichts gegenüber der aktuellen Produktionsstätte mit in die Jahre gekommener Ausstattung. „Ich arbeite künftig mit vier neuen Öfen und fortschrittlicher Kältetechnik, die einen entscheidenden Erfolgsbaustein im Herstellungsprozess darstellt. „Ich kann meine Backwaren bis zum Teigling vorbereiten, kühlen und zum späteren Zeitpunkt backen. Das ermöglicht die bessere Abstimmung der Warenproduktion in größeren Mengen mit dem Verkauf und Liefergeschäft“, erklärt Frede.
Seine Backwaren vertreibt er an drei Stellen in Hiltrup, Rinkerode und Berg Fidel sowie auf Wochenmärkten. Darüber hinaus versorgt Frede Einrichtungen wie Behörden, Hotels, Schulen und Altenheime sowie Fleischer und Fischhändler mit frischen Produkten. Ab 2019 kommt in Wolbeck dann mit der Filiale samt Bistro auf 200 Quadratmetern ein viertes Standbein hinzu. Drinnen und draußen laden zirka 50 Sitzplätze zum Verzehr belegter Brötchen, bäckertypischen kalten und warmen Snacks sowie Kaffee und Kuchen ein. Sonntags lockt er mit einem Frühstücksbuffet. „Ich bin gespannt, wie die Kombination aus Backstube, Laden und Gastronomie ankommen wird“, sagt Frede. Über die Entscheidung zur Investition in Eigentum kann er sich inzwischen richtig freuen. Die Vorteile gegenüber der Anmietung überwiegen.
Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Münster, Dr. Thomas Robbers, bestätigt, „eine sehr gute Lösung für die langfristige Sicherung des Handwerksbetriebs“ gefunden zu haben. Die WFM hatte mit Frede zwei Jahre lang verschiedene Verlagerungsmöglichkeiten geprüft und ihn auch im Genehmigungsmanagement betreut. „Er wird vom Durchgangs- und Pendlerverkehr sowie von der prominenten Lage am Gewerbegebiet Wolbecker Windmühle profitieren. In der unmittelbaren Nachbarschaft arbeiten mehrere hundert Menschen, die als potenzielle Kunden täglich bei ihm vorbeikommen.“
Der künftige Standort zeichnet sich durch seine hohe Sichtbarkeit und gute Erreichbarkeit aus. Für Kunden stehen 19 Stellplätze zur Verfügung. Am Gebäude setzt sich der Verkaufs- und Bistrobereich durch die moderne Klinkerfassade und durch die hohen Fenster ab. Der Innenentwurf der Firma Dietrich, die auf den Backstuben-Fertigbau spezialisiert ist, lässt auch den freien Blick in die Produktion zu. Damit will Frede das Interesse am Handwerk wecken und Vertrauen für die „Qualität aus guten Händen“ schaffen. So lautet der neue Claim des Unternehmens, das nach dem Umzug auch als „Backhaus Frede“ firmieren wird.
Es ist im Begriff, sich für die kommenden Jahrzehnte neu zu erfinden. Alles soll moderner anmuten und Kunden auch optisch ansprechen, so der Bäcker. „Was ich habe, will ich hegen und pflegen.“ Dass er bei der Weiterentwicklung seines Betriebs auch beide Söhne stärker an sich binden will, ist klar. Fabian (22) und Tobias (18) helfen jetzt zwar schon mit, haben dem Bäcker-Handwerk aber eine kaufmännische Ausbildung bzw. ein Studium im Wirtschaftsbereich vorgezogen. Der Vater ist aber zuversichtlich, dass mindestens ein Zögling der Gilde treu bleibt. Das Neubauprojekt gibt Ihnen möglicherweise den letzten Kick.“