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Qualität im Gewerbebau braucht Diskurs und Wettstreit um beste Lösung

Fokus Immobilien: Architektenwettbewerbe im Gewerbebau

„Eine Stadt, die etwas auf sich hält, legt auch auf ihr Äußeres wert“, meint Prof. Kunibert Wachten vom Institut für Städtebau und Landesplanung an der RWTH Aachen. Längst nicht jede Stadt bringe dieses Selbstverständnis mit, „aber Münster besitzt es“. Auf Einladung der Wirtschaftsförderung Münster GmbH (WFM) sprachen Wachten und der münsterische Architekt Peter Bastian über Wettbewerbe im Zusammenhang mit gewerblicher Baukultur. Die Veranstaltung Fokus Immobilien beleuchtete vor 100 Gästen insbesondere das Spannungsfeld zwischen städtebaulicher Qualität und Wirtschaftlichkeit bei Projekten. Sie fand bei der LBS statt.

„Für Münster zeigt sich, dass die hohe städtebauliche Qualität der Stadt in besonderer Weise das Ergebnis von intensivem Nachdenken und Diskutieren ist“, erklärte WFM-Geschäftsführer Dr. Thomas Robbers. In den vergangenen Jahren seien auch für Gewerbebauten eine größere Zahl von Städtebau- und Architekturwettbewerben und Gebotsverfahren durchgeführt worden. „Allerdings, so glauben wir, sind Wettbewerbe nicht per se erfolgversprechend. Sie schützen nicht immer davor, dass Projekte mit Blick auf Kosten und den Realisierungszeitraum unerwünschte Ergebnisse bringen.“ Viele Investoren kritisierten zum Beispiel die zeitliche Länge und Kosten. Architekten fürchteten das Risiko aufgrund der Vorleistung, so Robbers. Nichtsdestotrotz, erklärte Bastian, brauche es für Qualität im Gewerbebau einen Architekten.
Nach Ansicht von Wachten wirke gute Architektur nicht nur auf das Bild der Stadt. Auch Unternehmen drückten sich in der Architektur aus und nutzen dies für ihr Image. Sie wüssten um die Bedeutung eines attraktiven Arbeitsumfelds für die Werthaltigkeit eines Standortes und der Immobilie – und suchen das „Mehr“.
„Qualität entsteht nur selten von allein“, so Wachten. „Sie braucht den Diskurs über Anforderungen und Maßstäbe und den Wettstreit um die beste Lösung.“ Hochbau- und Städtebau-Wettbewerbe fördern die Qualität, weil sie eine Auswahl aus unterschiedlichen Lösungen im Diskurs vieler Gesichtspunkte ermöglichen. „Wettbewerbe bieten damit im Reigen der Möglichkeiten, auf Qualität in Architektur und Städtebau Einfluss zu nehmen, eine besondere Rolle“, sagte Wachten: Bauqualität sei immer das Ergebnis des Zusammenwirkens mehrerer Gesichtspunkte: Ein Gebäude sollte Identität herstellen, Funktionalität sichern, Flexibilität gewährleisten sowie Ressourceneffizienz und Wirtschaftlichkeit aufweisen.
Das Planungsrecht bietet allein keine Handhabe. Bebauungspläne mit textlichen Festsetzungen könnten laut Bastian negative Auswüchse verhindern. Sie seien aber kein Garant für Qualität, erklärte der Architekt. Die Qualität im Gewerbebau führte er vor allem auf die Motivation des Unternehmers zurück. Es gehe zum Beispiel um Flächen- und Energieeffizienz, Wirtschaftlichkeit, Lebenszykluskosten, um Nachhaltigkeit und auch um die Frage der Drittverwertung. „Und dann spielen hier auch die idealistischen Aspekte, die städtebauliche Einfügung, Eleganz und Ästhetik eine Rolle.“
Bastian stellte in seinem Vortrag verschiedene Verfahrenstypen vor. Zum Beispiel den anonymisierten Planungswettbewerb nach RPW, die Mehrfachbeauftragung, den Architekten /Investorenwettbewerb und den Direktauftrag. Im Fazit waren sich beide Referenten einig: Ein kooperatives, eventuell mehrstufiges, offenes und diskursorientiertes Verfahren bietet eine große Erfolgschance mit Blick auf eine hohe Qualität für alle Beteiligten.