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KI im Unternehmen: Es kommt weniger auf den Masterplan als auf die Menschen an

Business Breakfast bei der viadee

Münster. Unternehmen brauchen im Umgang mit Künstlicher Intelligenz klare Leitplanken, dezentrale Verantwortung und eine Kultur des gemeinsamen Lernens. So lautete die Botschaft von Dr. Volker Oshege beim Business Breakfast der Wirtschaftsförderung Münster. Das viadee-Vorstandsmitglied gab vor zirka 90 Firmenvertreterinnen und -vertretern Einblicke und wertvolle Tipps.

Neue KI-Anwendungen und -Möglichkeiten entstehen nahezu täglich. Für Unternehmen wächst der Druck, die Entwicklung nicht zu verpassen. Gleichzeitig bleiben viele Fragen zu Anwendungen und Risiken offen. Und wie kommen Unternehmen ins Handeln? Oshege kennt diese Spannungsfelder aus der Kundenberatung und aus dem eigenen Unternehmen. Seine Beobachtung: Die Unsicherheit angesichts der rasanten Entwicklung führt häufig zu drei Reaktionsmustern – Schockstarre, blindem Aktionismus oder dem Versuch, durch immer detailliertere Regeln und Kontrollen sämtliche Unsicherheiten auszuschließen. Keines davon bringe Unternehmen wirklich voran. „Die unbequeme Wahrheit ist: Es gibt gerade keinen Plan“, brachte Oshege die Situation auf den Punkt. Niemand könne verlässlich vorhersagen, wie die technologische Entwicklung in drei oder fünf Jahren aussehen werde.

Die viadee setzt deshalb auf einen Perspektivwechsel: Statt KI vorrangig als technologische Herausforderung zu betrachten, rückt das Unternehmen Organisation und Unternehmenskultur in den Mittelpunkt. „Wir müssen diese technologische Frage in eine Frage von Organisation und Kultur umwandeln“, so Oshege. WFM-Geschäftsführer Dr. Marco Trienes pflichtete ihm bei: „Es geht nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie und den konkreten Entwicklungspfad der KI im eigenen Unternehmen.“, sagte er. Entscheidend werde sein, wer es schaffe, KI-gestützte Prozesse besser für das eigene Geschäftsmodell zu nutzen als die Konkurrenz. Damit sei KI zunehmend ein strategischer Wettbewerbsfaktor und eine Aufgabe der Unternehmensführung.

Dafür hat die viadee drei Handlungsfelder für sich definiert. Die Nutzung von KI ist bei der viadee ausdrücklich erwünscht, soll aber in sicheren Bahnen erfolgen. Wenige, verständliche Grundregeln geben Orientierung: Kunden- und Betriebsgeheimnisse müssen geschützt, Bewertungen von Menschen dürfen niemals allein durch Algorithmen erfolgen. Und für KI-generierte Ergebnisse bleibt immer der Mensch verantwortlich. „Das Ergebnis ist immer etwas, was vom Menschen verantwortet werden muss“, betonte Oshege. Ziel sei es, Mitarbeitenden Handlungsspielräume zu eröffnen, statt sie durch Regelwerke und Einzelfallprüfungen auszubremsen.

Für die technische Infrastruktur hat die viadee ein eigenes KI-Plattform-Team eingerichtet. Es kümmert sich um sichere Zugänge, Datenschutz, geeignete Modelle und Kostentransparenz. Über die interne Plattform „viadeeGPT“ können Mitarbeitende unterschiedliche KI-Modelle nutzen, ohne sich an einen einzelnen Anbieter zu binden. Die Fachbereiche wiederum identifizieren geeignete Anwendungsfälle, entwickeln diese weiter und prüfen die Qualität der Ergebnisse. Die zentrale Bereitstellung schafft somit sichere Rahmenbedingungen, während die konkrete Anwendung dort verantwortet wird, wo das notwendige Fachwissen vorhanden ist.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das gemeinsame Lernen in verschiedenen Formaten: Bei KI-Web-Frühstücken werden beispielsweise neue Erkenntnisse und Anwendungsmöglichkeiten mit vielen Mitarbeitenden geteilt. In Code Retreats probieren Teams neue Modelle und Werkzeuge an konkreten Aufgaben aus und teilt ihre Ergebnisse im Unternehmen. Eine Reihe im internen Blog sowie Austauschformate sorgen dafür, dass Erfahrungen dokumentiert und für andere zugänglich werden. Entscheidend sei dabei eine Fehlerkultur, die Experimente zulässt und auch weniger erfolgreiche Versuche als Lernchance begreift. „Wenn jeder, der den ersten Move in die falsche Richtung macht, sofort die Hände abgehackt bekommt, dann müssen Sie sich nicht wundern, dass keiner sich mehr bewegt“, veranschaulichte Oshege die Bedeutung entsprechender Freiräume. Lernen ist nicht auf einzelne Schulungstage beschränkt, sondern in den Arbeitsalltag integriert. Ebenso wichtig sei es, die Spannungen der Veränderung auszuhalten. Neue Technologien verändern gewohnte Arbeitsweisen und Rollenverständnisse.

Vor diesem Hintergrund möchte die Wirtschaftsförderung Münster Unternehmen Orientierung geben und den Praxisbezug in Form von Informations- und Austauschveranstaltungen konkrete Angebote machen. Was Unternehmen unmittelbar aus den Erfahrungen der viadee mitnehmen können, fasste Oshege in drei Empfehlungen zusammen: in kurzen Feedbackschleifen arbeiten, klare Leitplanken setzen und gezielt in die Befähigung der Mitarbeitenden investieren. Sein Credo: „Nicht derjenige bleibt handlungsfähig, der den besten Plan hat, sondern derjenige, der dafür sorgt, dass Räume entstehen, in denen Menschen eigenverantwortlich entscheiden und lernen können.“