i-Tüpfelchen auf das unternehmerische Lebenswerk
Fast Forward-Forum zu Nachfolgeregelung in Unternehmen
„Der beste Nachfolgezeitpunkt ergibt sich nicht aus dem Lebensalter des Unternehmers. Die Übergabe macht dann Sinn, wenn die Firma sehr gut aufgestellt ist. Dann ist sie attraktiv, um einen Nachfolger beziehungsweise Käufer zu finden“, erklärte Welpelo, der von einer großen Chance bei der Nachfolgeregelung sprach. „Nehmen Sie die Gelegenheit wahr, sie zu gestalten. Die Nachfolgeregelung ist das i-Tüpfelchen auf eine unternehmerische Tätigkeit beziehungsweise das erfolgreiche Beenden eines Lebenswerks, über das Sie sich im Anschluss freuen können.“
Die Frage der Unternehmensnachfolge beschäftigt vor allem den deutschen Mittelstand. Er steht für 39 Prozent der steuerpflichtigen Umsätze, für 60 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze und für 83 Prozent aller Ausbildungsplätze, zitierte Welpelo in seinem Vortrag Uwe Berghaus, Vorstandsmitglied der WGZ Bank. Nach Informationen des Bonner Instituts für Mittelstandsforschung haben insgesamt 135.000 Unternehmen mit zirka zwei Millionen Beschäftigten bis zum Jahr 2018 zu klären, ob eine Übertragung innerhalb der Familie oder der Verkauf an das bestehende Management (Management Buy-Out) oder die Veräußerung an einen externen Dritten (Management Buy-In) am sinnvollsten ist?
Hunkenschröder beleuchtete jene Möglichkeiten unter steuerlichen und rechtlichen Aspekten sehr genau. Einen Schwerpunkt seiner fundierten Ausführungen bildete der familieninterne Nachfolgeprozess mit Blick auf die Erbschafts-, Ertrags- und Grunderwerbssteuer. Ein wichtiger Hinweis galt einem kommenden Urteil des Bundesverfassungsgerichts: „Wir bekommen vermutlich ein engmaschigeres Erbschaftssteuergesetz. Es wird künftig wahrscheinlich teurer, Unternehmen zu übertragen. Wenn die Voraussetzungen für eine Nachfolge gegeben sind, mag es klug sein, in den nächsten Monaten darüber nachzudenken.“ Hintergrund ist ein möglicher Verstoß des Erbschaftssteuergesetzes gegen das Grundgesetz. Die Entscheidung in Karlsruhe folgt.
Welpelo rät im Nachfolgeprozess zu einer nüchternen Analyse der Alternativen. Emotionen und Euphorie haben beim Unternehmer beziehungsweise beim interessierten Nachfolger nichts zu suchen. „Einer der häufigsten Gründe, weshalb Unternehmensübergaben scheitern, ist die Unterschätzung der psychologischen Komponente.“ Weitere gravierende Fehler seien auch die falsche Beurteilung rechtlicher Fragen, steuerliches Missmanagement und Finanzierungsprobleme beim Nachfolger. Welpelo: „In vielen Fällen der Unternehmensübergabe geht eine prägende Persönlichkeit von Bord. Es geht ein Lotse verloren, der das Unternehmen strategisch und operativ gesteuert hat und auch den rechtlichen, steuerlichen und finanziellen Status quo kennt.“ Mit einer guten Vorbereitung kann es bedeutend leichter fallen, die Verantwortung für das „Lebenswerk“ samt Philosophie, Werte und Arbeitsplätze zu teilen oder in jüngere, gut ausgebildete Hände zu übergeben.