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„Bei öffentlichen Förderprogrammen gibt es viele Schätze zu heben“

Fast Forward-Forum zum Dickicht des Fördermittel für Unternehmen

Eine wesentliche Aussage machte Felix Tenkmann, Direktor Förderberatung der NRW.BANK, gleich zu Beginn: „Ich stelle immer wieder fest, dass Gestaltungsmöglichkeiten von Förderprogrammen bei Unternehmen gar nicht oder nur dünn bekannt sind.“ Vielleicht lag es daran, dass zu der Fast-Forward-Veranstaltung der Wirtschaftsförderung Münster GmbH mehr als 120 Gäste gekommen waren, um Tenkmann, Bürgschaftsbank NRW-Chef Manfred Thivessen und WFM-Fördermittelexperte Günter Klemm zu hören. Ihre Botschaft zu öffentlichen Fördermitteln: „Es geht so gut wie alles“.

Grundsätzlich können Firmen öffentliche Fördermittel für Investitionen, für die Betriebsmittelfinanzierung, für Unternehmensberatungen sowie für die Weiterbildung der Mitarbeiter in Anspruch nehmen. Es gibt schätzungsweise 2.000 Programme. Insbesondere bei Wachstumsfinanzierung stoßen oftmals gerade kleine und mittlere Unternehmen aufgrund niedriger Eigenkapitalquoten, mangelnder Sicherheiten und gestiegener Bonitätsanforderungen von Hausbanken an die Grenzen der klassischen Kreditquellen. So rücken zur Sicherung von Expansion und Liquidität Alternativen wie etwa zinsgünstige öffentliche Förderprogramme und Bürgschaften in den Fokus.
Die Fördermittelexperten gaben den Zuhörern wichtige Informationen zu öffentlichen Fördermitteln für das Finanzierungsgespräch bei der Hausbank an die Hand. Sie sei bei der Finanzierung von Investitionen und Betriebsmitteln die zentrale Anlaufstelle und ebne den Weg zu öffentlichen Fördertöpfen des Landes oder des Bundes, die von der NRW-Bank oder der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verwaltet würden. „Binden Sie uns in gemeinsame Gespräche mit Ihrem Banker über die Möglichkeiten zur Zinsoptimierung, Risikoabfederung und Eigenkapitalstärkung ein“, erklärte Tenkmann, der sich als „Freund von Mischkalkulationen“ bezeichnete: „Einmal ein interessantes Produkt aus dem Bereich der alternativen Finanzierungsformen wie Factoring, Leasing oder Beteiligungskapital, kombiniert mit dem Hausbankdarlehen und kombiniert mit einem öffentlichen Fördermittel. Unternehmen müssen sich heutzutage auch alternativen Finanzierungsformen öffnen.“
Der klassische Langkredit sei immer noch das wichtigste Produkt eines Mittelständlers, öffentliche Fördermittel seien die Ergänzung. Der hiesigen Bankenlanschaft bescheinigte Tenkmann, dass sie das Fördergeschäft durchaus im Blick habe. Wichtig sei aber, der Hausbank mit einer starken Eigenkapitalquote im Bezug zum Rating gegenüber zu treten: „Die Eigenkapitalquote und das Rating steuern die Unternehmensliquidität und die Finanzierungskonditionen.“
Anknüpfend informierte Manfred Thivessen, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank NRW, über die Expressbürgschaft seines Hauses sowie den Mikromezzaninfonds Deutschland. Das Kerngeschäft der Bürgschaftsbank sei Bürgen: Das heiße haften, und haften heiße Risiko teilen mit der Hausbank – zur Sicherheitenstärkung für Unternehmen. „Bürgschaften sind mehr oder weniger eine Allzweckwaffe bei der Risikoentlastung. Im Gespräch mit der Hausbank erfahren Sie als Unternehmer, wie hoch das Sicherheitenbedürfnis ist“, so Thivessen. Die Bürgschaftsbank fördere alle Gewerbebetriebe – ohne Haftungsausschlüsse: „Jeder Antrag wird individuell entschieden.“ In der Praxis brauche die Bürgschaftsbank zur Entscheidung einer Expressbürgschaft zwei bis fünf Werktage. „Das schätzen die Banken.“
Als Lösung zur Stärkung der Eigenkapitalquote präsentierte Thivessen den Mikromezzaninfonds Deutschland, ein neues Programm des Bundes. Hierbei handelt es sich um eine stille Beteiligung eines Geldgebers an einem Unternehmen, das keine Anteile verliere. „Sie merken die Beteiligung an Ihrem Unternehmen nicht. Nur einmal vierteljährlich, durch die Berechnung der Entgelte. Es handelt sich hier quasi um einen veredelten Kredit mit Nachrangcharakter.“
Abschließend informierte Günter Klemm über Neuigkeiten und Änderungen in Programmen zur Beratungs- und Weiterbildungsförderung. Sein Tipp: „Fangen Sie in der Regel nicht mit dem Projekt vor Beantragung der Fördermittel an. Suchen Sie zunächst den Kontakt zu Banken oder weiteren beratenden Stellen wie zum Beispiel der Wirtschaftsförderung Münster.“ Sie verfolgt das Interesse, die am Standort Münster ansässigen Unternehmen bei ihrer Entwicklung optimal zu unterstützen. Dazu gehören neben dem Angebot von Grundstücken und der Vermittlung von Gewerbeflächen sowie die Existenzgründungsberatung auch das Finanzierungs- und Fördergeschäft. „Wir informieren Sie umfassend über öffentliche Förderprogramme und machen Sie fit für das Bankengespräch. Des Weiteren akquirieren wir gemeinsam mit Ihnen auf bestimmten Gebieten Fördermittel, die es als spannende Schätze zu heben gilt: zum Beispiel im Zusammenhang mit Beratungs- und Bildungsförderprogrammen“, so Klemm. „Bei uns bekommen Sie frisch aus dem Drucker zum Beispiel Beratungs- oder Bildungsschecks.“