Wirtschaftsförderung befasst sich mit Szenarien der Standortentwicklung

Bundesverband der deutschen Wirtschaftsförderer in Münster

„Ich freue mich, dass ich Sie in einer der am stärksten wachsenden Städte Deutschlands begrüßen darf.“ Mit diesen Worten hat Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe die Jahrestagung des deutschen Verbands der Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaften (DVWE) eröffnet. Mehr als 70 Akteure aus dem gesamten Bundesgebiet beschäftigten sich mit aktuellen Herausforderungen und Fragestellungen der Wirtschafts-, Struktur- und Standortförderung. Durch das Programm führte Dr. Thomas Robbers, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Münster GmbH. Er leitet den DVWE als ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender seit 2002 und wurde jetzt in Münster für weitere zwei Jahre wiedergewählt.

Lewe erklärte, dass Münsters Wirtschaft und die Wirtschaftsförderung gut aufgestellt seien. Er sprach aber auch von der Notwendigkeit, sich den Herausforderungen der Standortentwicklung zu stellen: „Münster ist in einer Situation wie viele Städte: Wenn wir nicht auf die wesentlichen Einflussfaktoren achten, laufen wir Gefahr, den erfolgreichen Weg zu verlassen“, gab das Stadtoberhaupt zu bedenken. Es gelte unter anderem, weiterhin Arbeitsplätze zu schaffen, bezahlbaren Wohnraum anzubieten, die funktionierende Verkehrsinfrastruktur zu gewährleisten und die heterogene Bildungslandschaft fortzuentwickeln. Darüber hinaus müssten Potenziale erkannt und gefördert werden.
Die Stadt habe hierfür den Zukunftsprozess „Münsters Zukünfte 20|30|50“ mit großer Beteiligung initiiert. Bürger, Wissenschaftler, Wirtschaft, Verwaltung und Politik seien aufgerufen, gemeinsam Antworten auf wichtige Zukunftsfragen zu finden. „Zum Beispiel verfügt Münster mit mehr als 60.000 Studierenden über ein enormes wissenschaftliches Leistungsvermögen, das auch mithilfe der Wirtschaftsförderung in die Anwendung gebracht werden kann.“
Verbandschef Robbers ging auf mehrere Themen ein, über die es sich in den kommenden Jahren zu diskutieren lohne: zum Beispiel das hiesige Bevölkerungswachstum von heute 310.000 Einwohnern auf perspektivisch 335.000. „Das ist eine riesen Chance für eine Stadt, die sich schwer tut, ausreichend Wohnraum nachzuweisen. Flächenmäßig ist Münster nach Köln die zweitgrößte Stadt in NRW. Und wenn es zum Beispiel der weitaus kleineren Rheinmetropole Düsseldorf gelingt, mehr Wohnraum zu schaffen, dann sollte das hier auch klappen“, forderte er.
Auch Robbers bezeichnete die Hochschulen als Treiber für Münsters Identität, Entwicklung und Wirtschaft: „Was würde passieren, wenn Studierende nicht mehr vor Ort wären, sondern im Zuge der Digitalisierung überall in der Welt ihren Studien nachgingen?“
Großes Potenzial für die Standortentwicklung stecke auch in der starken, mittelständischen Wirtschaft Münsters, um deren Leistungsfähigkeit überregional aber kaum jemand wisse. „In den letzten 20 Jahren ist die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen um 37 Prozent gestiegen. Darüber hinaus hatten wir mit durchschnittlich 5,4 Prozent im Jahr 2016 die niedrigste Arbeitslosenquote der kreisfreien Städte in NRW.“ Die wirtschaftliche Stärke und mangelnde Wahrnehmung passen nicht zusammen, sagte Robbers, und verwies auf das Thema Standortmarketing: „Es reicht nicht aus, über seinen Standort zu informieren. Es geht darum, die Perspektive des Kunden einzunehmen: Warum sollte er hier und nicht anderswo investieren? Und was lockt potenzielle Arbeitnehmer an? Beschäftigen wir uns also mit der Frage, wie wir kommunizieren, um Interessenten emotional zu binden.“ Vor dem Hintergrund der genannten Chancen und Risiken setze sich die Wirtschaftsförderung mit künftigen Szenarien der Standortentwicklung auseinander. „Wir betrachten die Erfolgstreiber und wappnen uns für die Zeit, wenn einer oder mehrere nicht mehr funktionieren.“